Du kannst Spanisch! (… und weißt es vielleicht gar nicht – Teil II)

Vor knapp zwei Jahren veröffentlichte ich den ersten Artikel zu diesem Thema, der damals ziemlich gut ankam. Da es in der deutschen Sprache noch viele weitere Wörter gibt, die spanischen Ursprungs sind oder scheinen und die wir verwenden, ohne uns ihrer Bedeutung bewusst zu sein, habe ich diesen zweiten Teil vorbereitet. Ich erinnere noch einmal daran, dass es hierbei nicht um als Hispanismen bezeichnete spanische Lehnwörter wie Fiesta oder Siesta geht, die ja mittlerweile nicht nur Spanienurlaubern hinlänglich bekannt sind.

Berühmtheiten

Aus der deutschen Schlagerwelt kaum wegzudenken ist der gebürtige Afrokubaner Roberto Blanco, dessen Nachname kurioserweise „Weiß“ bedeutet.

Beim spanischen Schmusebarden Julio Iglesias kann man gleich Vor- und Nachnamen übersetzen, und er wird zu „Juli Kirchen“.

Einer jüngeren Sängergeneration gehört wiederum Ariana Grande an, deren Familienname das spanische Wort für „Groß“ ist.

Spaniens bekanntester Schauspieler, Antonio Banderas’, trägt einen Nachnamen, der die Mehrzahl von „bandera“ (dt. „Fahne“, „Flagge“) ist.

Selbst einer eigentlich angelsächsischen Kinderfigur wie Peter Pan kann man noch etwas Spanisches abgewinnen, denn sein Nachname entspricht dem spanischen Wort für „Brot“.

Geografie

Es gibt viele internationale Städte- und Ländernamen, die auf Spanisch eine Bedeutung haben und sich übersetzen lassen. Santo Domingo wird im Deutschen zu „Heiliger Sonntag“, Las Vegas zu „Die Auen“, Los Ángeles (mit Akzent auf dem „A“!) zu „Die Engel“, El Salvador zu „Der Erlöser“ und Santa Fe zum „Heiligen Glauben“.

Casablanca besteht aus „casa“ und „blanca“ und bedeutet damit wörtlich „Weißes Haus“; Puerto Rico wiederum meint einen „reichen Hafen“. Cuba bezeichnet einen „Kübel“, Granada einen „Granatapfel“ und Malta ist auch das spanische Wort für „Malz“. Don Quijotes Heimat La Mancha lässt sich mit „Der Fleck“ übersetzen, und Sacramento mit „Sakrament“ (ja, das war leicht!). Auch einige US-Staaten tragen spanische Namen, wie Nevada (dt. „verschneit“), Florida („blumig“) oder Colorado („rot“, „farbig“).

Gastronomie

Schon mal einen Piña Colada getrunken? Wortwörtlich handelt es sich bei diesem Cocktail um eine „Durchgesiebte Ananas“, der natürlich noch mehr Zutaten hinzugefügt werden. Der bekannte Serrano-Schinken verdankt seinen Namen dem Adjektiv „serrano“ (von „sierra“, dem „Gebirge“) und heißt somit eigentlich „Gebirgsschinken“, weil er einst in den Bergen luftgetrocknet wurde.

Chiquita ist nicht nur eine weltbekannte Bananenmarke, sondern auch die Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform von „chica“ (dt. „Mädchen“) und damit ein „kleines Mädchen“.

Verschiedenes

Wer den Sender VIVA – oder das Coldplay-Album „Viva la vida“ – kennt, sollte wissen, dass „viva“ so viel wie „es lebe“ oder „hoch lebe“ bedeutet. Und „la vida“ ist „das Leben“, wie uns schon Ricky Martin 1999 mit seinem Song vom „verrückten Leben“ („Living la vida loca“) belehrte.

Apropos Nostalgie, erinnert ihr euch noch an La linea? Zugegeben, das meist mies gelaunte TV-Strichmännchen stammt zwar aus Italien, aber auch auf Spanisch ist „La línea“ (mit Akzent auf dem „i“!) schlicht „Die Linie“.

Eine Arena leitet ihren Namen als ursprünglich sandbestreuter Platz vom gleichlautenden spanischen Wort für Sand“ ab.

Eldorado, das für ein Wunschland oder Paradies steht, entstammt dem Ausdruck „el dorado“, also „der/das goldene (Land)“.

Als Chinos kennt man in Deutschland leichte Baumwollhosen, doch im Spanischen sind es schlicht „Chinesen“.

Cargo ist der Fachbegriff für Schiffs- und Flugzeugfracht und rührt vom gleichlautenden spanischen Wort für „(Be)Ladung“ ab, das aber noch weitere Bedeutungen wie „Amt“, „Position“, „Verantwortung“ und „Lastschrift“ hat.

Ein Unglück machte die Costa Concordia über Nacht bekannt, doch die wenigsten wissen, dass der Name des italienischen Kreuzfahrtschiffs auch als spanische Übersetzung von „Küste der Eintracht“ gedeutet werden kann.

Das Lied „La Paloma“, dessen Titel „Die Taube“ bedeutet, kennt man in Deutschland unter anderem in der Version von 1994 von Hans Albers und in der Version von 1961 von Freddy Quinn. Mindestens genauso bekannt ist der Song „Paloma Blanca“ (dt. „Weiße Taube) von George Baker Selection von 1975, aufgewärmt in der Trashversion der Ö La Palöma Boys von 1999.

Beim Gott Amor ist der Name Programm, denn wer von seinen Pfeilen getroffen wird, erlebt der Legende nach die „Liebe“.

Prima“ ist ein deutsches Wort, mit dem wir unsere Zustimmung zum Ausdruck bringen, und ein spanisches Wort, das solch verschiedene Bedeutungen wie „Prämie“ und „Cousine“ hat.

Die in den 1960er-Jahrne ausgestrahlte US-Serie „Bonanza“ ist bis heute sehr beliebt, aber nur wenige Zuschauer wissen, dass hinter dem Titel das spanische Wort für „Wohlstand“ – und „Windstille“ – steckt. Der Name der Ranch geht zwar auf die Ponderosa-Kiefer zurück, doch gibt es im Spanischen auch das Adjektiv „ponderoso/-a“ (dt. „ernst“, umsichtig).

Der Paso doble ist ein nicht nur in Spanien bekannter Tanz, dessen Name mit „doppelter Schritt“ oder „Doppelschritt“ übersetzt werden kann.

Selbst wer noch nie einen Fuß in Spanien gesetzt hat, kennt sicher die Orte Villarriba und Villabajo aus einer Spülmittelwerbung und sollte wissen, dass sich die Ortsnamen aus „villa“ („Dorf“) und „arriba“ („oben“) bzw. „abajo“ („unten“) zusammensetzen und auf Deutsch schlicht „Oberdorf“ und „Unterdorf“ heißen würden. (Weitere kuriose spanische Ortsnamen samt Übersetzung gibt es hier.)

Wer bei dem Wort Ente nur an einen Wasservogel oder eine falsche Zeitungsmeldung denkt, sollte wissen, dass das Wort es im Spanischen auch im Sinne von „Wesen“, „Amt“ und „Behörde“ verwendet wird.

Der Polo ist nicht nur ein bekannter Kleinwagen und ein Ballsport, sondern auch ein spanisches Wort mit derart unterschiedlichen Bedeutungen wie „Pol“, „Polohemd“ und „Eis am Stiel“.

Fallen dir noch mehr Beispiele ein? Vielleicht reicht es ja für einen dritten Teil.

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Aller guten Dinge sind vier!

Nach den Ausgaben 2012, 2013 und 2014 ist das „Tagebuch eines Alemols“ ist in seiner spanischen Version auch in diesem Jahr wieder für die „Blogs von Sprachprofis 2015“ nominiert, eine Kategorie des Wettbewerbs „Language Lovers 2015“. Danke an alle, die mich lesen, auch wenn meine Blogartikel in sehr unregelmäßigen Abständen und zu sehr unterschiedlichen Themen erscheinen. Im vergangenen Jahr erreichte ich dank euch einen beachtlichen 20. Platz im weltweiten Ranking!

Heute ist die Abstimmungsphase gestartet, die bis zum 14. Juni läuft. Anschließend werden die Ergebnisse und das Gewinner-Ranking veröffentlicht. Wenn ihr für die spanische Version meines Blogs („Diario de una alemol“) stimmen möchtet, müsst ihr einfach nur den Vote-Button unten anklicken und dann in der Liste meinen Blog wählen. Vielen Dank und muchas gracias!

Wahl des Lieblingsblogs von Sprachprofis 2015

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40, 15 und 5 Jahre

Das Jahr 2015 beschert mir einige Jubiläen: Ich werde 40 Jahre alt, von denen ich mittlerweile 15 Jahre in Valencia lebe und 5 Jahre diesen Blog schreibe. Grund genug für eine neue Version meines „Alemol-Manifests“, das einst das „Tagebuch eines Alemols“ einweihte. In all der Zeit ist meine „Hispanisierung“ nämlich weiter vorangeschritten (wenn auch nicht äußerlich, denn ich verbrauche im Sommer noch immer literweise Sonnencreme). Mehr denn je lebe ich zwischen der spanischen und der deutsche Kultur, und bei jeder Reise nach Deutschland fallen mir Dinge auf, die mir früher ganz normal erschienen. Deshalb habe ich die folgende Liste mit „Alemol-Facts“ erstellt, die vielleicht mehr als einem Deutschen in Spanien bekannt vorkommen:

Du weißt, dass du bereits ein Alemol bist, wenn du nach Deutschland reist und …

  • dein erster Impuls ist, zwei Wangenküsse zu geben, wenn dir jemand einen Freund oder eine Freundin vorstellt.
  • es dir komisch vorkommt, Zwanzigjährige zu siezen.
  • du beim Autofahren die Hupe benutzt.
  • du auch mal bei Rot über die Straße gehst, wenn kein Verkehr herrscht.
  • du laut seufzt, wenn dir jemand erzählt, das Schönste in Spanien sei der „Ballermann“.
  • es dir schwerfällt, um 12 Uhr zu Mittag zu essen, und um 18 Uhr zu Abend.
  • man über dich lacht, wenn du von „Espidermán“ sprichst.
  • du diese großartige Erfindung namens „tomar el aperitivo“ vermisst.
  • du stolperst oder dir etwas herunterfällt und dir „joder“ statt „Scheiße“ rausrutscht.
  • du mehr als 10 ºC warmes Bier fast schon pervers findest.
  • du keinen der „Promis“ aus den angesagten Reality-Shows im Fernsehen kennst.
  • Fernsehen für dich fast schon zur kulturellen Studie wird, bei der du sogar die Werbung genießt.
  • du manche Gewohnheiten oder Dinge „typisch deutsch“ findest.
  • du beim Schreiben mit einer deutschen Computertastatur ständig Z und Y verwechselst.
  • du dich mit Freunden lieber in einer Kneipe statt zu Hause verabredest.
  • du über Gerichte wie die „echte Paella“ in einem deutschen Restaurant lachen musst.
  • es dich verblüfft, wenn man dir einen Drink auf den Millimeter genau bis an den Füllstrich einschenkt.
  • dir der deutsche Rotwein etwas fad schmeckt.
  • es dich überrascht, wenn ein Politiker wegen eines Fehlers oder Verstoßes zurücktritt.
  • du auf einem Autobahnabschnitt ohne Tempolimit unterwegs bist, ohne zu merken, dass du eigentlich schneller fahren könntest.
  • dir die GEZ wie von einem anderen Stern erscheint.
  • man dir den Spitznamen „der Spanier” gibt.
  • du gefragt wirst, ob du denn (genug) Arbeit hast.
  • es dir in Kneipen und Restaurants fast schon still vorkommt.
  • du dich zum hundertsten Mal fragst, ob man in Spanien nicht vielleicht doch das deutsche System beim Zahlen einer Restaurantrechnung („getrennt oder zusammen“) einführen könnte.
  • dir deine Familie anbietet, ein heiß ersehntes Gericht zu kochen, und du dir eine „tortilla de patatas“ wünschst (kleiner Scherz!).
  • du Pfandflaschen aus Gewohnheit in den Müll wirfst, statt sie zurückgeben.
  • du bei einem Anruf vergisst, dich mit dem Nachnamen zu melden.
  • es dir bedenklich leichtfällt, eine solche Liste mit so vielen Punkten zu erstellen.

Apropos, würdest du noch was hinzufügen?

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