Aller guten Dinge sind vier!

Nach den Ausgaben 2012, 2013 und 2014 ist das „Tagebuch eines Alemols“ ist in seiner spanischen Version auch in diesem Jahr wieder für die „Blogs von Sprachprofis 2015“ nominiert, eine Kategorie des Wettbewerbs „Language Lovers 2015“. Danke an alle, die mich lesen, auch wenn meine Blogartikel in sehr unregelmäßigen Abständen und zu sehr unterschiedlichen Themen erscheinen. Im vergangenen Jahr erreichte ich dank euch einen beachtlichen 20. Platz im weltweiten Ranking!

Heute ist die Abstimmungsphase gestartet, die bis zum 14. Juni läuft. Anschließend werden die Ergebnisse und das Gewinner-Ranking veröffentlicht. Wenn ihr für die spanische Version meines Blogs („Diario de una alemol“) stimmen möchtet, müsst ihr einfach nur den Vote-Button unten anklicken und dann in der Liste meinen Blog wählen. Vielen Dank und muchas gracias!

Wahl des Lieblingsblogs von Sprachprofis 2015

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40, 15 und 5 Jahre

Das Jahr 2015 beschert mir einige Jubiläen: Ich werde 40 Jahre alt, von denen ich mittlerweile 15 Jahre in Valencia lebe und 5 Jahre diesen Blog schreibe. Grund genug für eine neue Version meines „Alemol-Manifests“, das einst das „Tagebuch eines Alemols“ einweihte. In all der Zeit ist meine „Hispanisierung“ nämlich weiter vorangeschritten (wenn auch nicht äußerlich, denn ich verbrauche im Sommer noch immer literweise Sonnencreme). Mehr denn je lebe ich zwischen der spanischen und der deutsche Kultur, und bei jeder Reise nach Deutschland fallen mir Dinge auf, die mir früher ganz normal erschienen. Deshalb habe ich die folgende Liste mit „Alemol-Facts“ erstellt, die vielleicht mehr als einem Deutschen in Spanien bekannt vorkommen:

Du weißt, dass du bereits ein Alemol bist, wenn du nach Deutschland reist und …

  • dein erster Impuls ist, zwei Wangenküsse zu geben, wenn dir jemand einen Freund oder eine Freundin vorstellt.
  • es dir komisch vorkommt, Zwanzigjährige zu siezen.
  • du beim Autofahren die Hupe benutzt.
  • du auch mal bei Rot über die Straße gehst, wenn kein Verkehr herrscht.
  • du laut seufzt, wenn dir jemand erzählt, das Schönste in Spanien sei der „Ballermann“.
  • es dir schwerfällt, um 12 Uhr zu Mittag zu essen, und um 18 Uhr zu Abend.
  • man über dich lacht, wenn du von „Espidermán“ sprichst.
  • du diese großartige Erfindung namens „tomar el aperitivo“ vermisst.
  • du stolperst oder dir etwas herunterfällt und dir „joder“ statt „Scheiße“ rausrutscht.
  • du mehr als 10 ºC warmes Bier fast schon pervers findest.
  • du keinen der „Promis“ aus den angesagten Reality-Shows im Fernsehen kennst.
  • Fernsehen für dich fast schon zur kulturellen Studie wird, bei der du sogar die Werbung genießt.
  • du manche Gewohnheiten oder Dinge „typisch deutsch“ findest.
  • du beim Schreiben mit einer deutschen Computertastatur ständig Z und Y verwechselst.
  • du dich mit Freunden lieber in einer Kneipe statt zu Hause verabredest.
  • du über Gerichte wie die „echte Paella“ in einem deutschen Restaurant lachen musst.
  • es dich verblüfft, wenn man dir einen Drink auf den Millimeter genau bis an den Füllstrich einschenkt.
  • dir der deutsche Rotwein etwas fad schmeckt.
  • es dich überrascht, wenn ein Politiker wegen eines Fehlers oder Verstoßes zurücktritt.
  • du auf einem Autobahnabschnitt ohne Tempolimit unterwegs bist, ohne zu merken, dass du eigentlich schneller fahren könntest.
  • dir die GEZ wie von einem anderen Stern erscheint.
  • man dir den Spitznamen „der Spanier” gibt.
  • du gefragt wirst, ob du denn (genug) Arbeit hast.
  • es dir in Kneipen und Restaurants fast schon still vorkommt.
  • du dich zum hundertsten Mal fragst, ob man in Spanien nicht vielleicht doch das deutsche System beim Zahlen einer Restaurantrechnung („getrennt oder zusammen“) einführen könnte.
  • dir deine Familie anbietet, ein heiß ersehntes Gericht zu kochen, und du dir eine „tortilla de patatas“ wünschst (kleiner Scherz!).
  • du Pfandflaschen aus Gewohnheit in den Müll wirfst, statt sie zurückgeben.
  • du bei einem Anruf vergisst, dich mit dem Nachnamen zu melden.
  • es dir bedenklich leichtfällt, eine solche Liste mit so vielen Punkten zu erstellen.

Apropos, würdest du noch was hinzufügen?

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Alemolpedia: „tardeo“

Diese Spanier … Jetzt haben sie doch tatsächlich etwas völlig Verrücktes und Neuartiges erfunden, nämlich ein um einige Stunden vorgezogenes Nachtleben! „Tardeo“ heißt diese Erfindung, deren Ursprung gleich mehrere Städte und Regionen – darunter Alicante, Albacete und Murcia – für sich beanspruchen und deren Name auf das Ausgehen am späten Nachmittag und frühen Abend (spanisch: „tarde“) Bezug nimmt. Werden die Spanier etwa jetzt zu „stinknormalen“ Europäern, die spätestens um 21:00 Uhr zu Hause hocken? Ist das „tardeo“ gar der Anfang eines sozialen Wandels, wie in jüngeren Medienberichten vermutet wird? Tatsache ist, dass der Trend für die Gastronomieverbände in Spanien buchstäblich ein gefundenes Fressen (und Saufen) ist und nach den oben genannten Städten nun auch von Valencia aufgegriffen wird, wo in diesem Frühling erstmals eine Initiative namens „Ruta del tardeo: tapas y copas“ stattfindet.

Noch haben sich weder die eigentlich recht schnelle Stiftung Fundéu BBVA noch die Rechtschreibpäpste der Real Academia Española mit dem Neologismus „tardeo“ befasst, doch in der Alemolpedia hält er bereits Einzug. Im Deutschen entspricht die Neuschöpfung wohl am ehesten einer Art „Abendleben“ (im Gegensatz zum „Nachtleben“), was sich aber wohl kaum durchsetzen wird. Unter der Woche genießen wir Deutschen am frühen Abend weiter das „Feierabendbier“, das in Spanien seit einigen Jahren in hippen Kreisen unter dem englischen Namen „afterwork“ zelebriert wird. Da das „tardeo“ in Mitteleuropa keineswegs ein neuartiges Phänomen ist, sondern am Wochenende auf der Tagesordnung steht, wird wohl kaum ein neuer deutscher Begriff dafür aufkommen, sodass man „tardeo“ – wenn der Trend in einem Text für ein deutschsprachiges Publikum besprochen werden sollte – sicher nur unübersetzt in Beiträgen über Spanien finden wird, wie beispielsweise in dem deutschen Zeitungsartikel „Den Tag zur Nacht gemacht“ oder dem (von mir) übersetzten Artikel „Tardeo Alicante. Ein neues Freizeitverständnis“.

Welchen Begriff oder Ausdruck würdest du gerne in die Alemolpedia aufnehmen? Schreib mir: andre@diariodeunalemol.com

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