Anders, aber nicht in allem

Wenn wir Blogger über Deutschland und Spanien schreiben, konzentrieren wir uns gern auf die – zweifellos zahlreichen – Unterschiede zwischen beiden Ländern, Kulturen und Sprachen. So ist es immer interessant festzustellen, wie unterschiedlich wir Deutschen und Spanier in manchen Aspekten sein können. Dabei ignorieren wir meist die Gemeinsamkeiten, von denen es auch reichlich gibt, die wir aber nicht ganz so „unterhaltsam“ finden. Auf den ersten Blick scheinen unsere Sprachen keine Gemeinsamkeiten aufzuweisen, da sie sich ähneln wie eine Flamencotänzerin einem bayerischen Trachtenträger. Und doch gibt es in beiden Sprachen Wörter, die nicht nur gleich geschrieben werden, sondern auch noch die die gleiche Bedeutung haben! Ja, wir Deutschen haben zwar den Ruf, Deutschlernern das Leben schwer zu machen, indem wir Konsonanten auf unaussprechliche Weise aneinanderreihen und endlos lange Komposita bilden, doch wir verwenden auch ganz einfache, kurze und internationale Vokabeln. Zum Beweis habe ich ein paar Wörter zusammengetragen, deren Schreibung und Bedeutung im Spanischen und im Deutschen gleich sind. Ihre Herkunft habe ich in Klammern hinzugefügt, denn sie zeigt, wieso die Wörter unterschiedslos sind … wir haben sie von anderen geklaut!

basta (lat. bastare)
kaputt (frz. capot)
gratis (lat. gratis)
bravo (ital. bravo)
hurra (engl. hurrah)
lila (frz. lilac)
rosa (lat. rosa)
vital (lat. vitalis)
banal (frz. banal)
trivial (frz. trivial)
genial (lat. genialis)
fatal (lat. fatalis)
brutal (lat. brutalis)
universal (lat. universalis)
normal/anormal (lat. normalis)
digital (lat. digitalis)
fundamental (lat. fundamentalis)
formal/informal (lat. formalis)
legal (lat. legalis)
neutral (lat. neutralis)
oval (lat. ovalis)
personal (lat. personalis)
animal (lat. animal)
final (lat. finalis)
real (lat. realis)
global (lat. globus)
anal (lat. anus)
oral (lat. os, oris)
verbal (lat. verbalis)

Fallen dir noch weitere Beispiele ein? Es gibt bestimmt noch mehr! Gib mir Bescheid, und ich füge sie hinzu. Lehnwörter oder Wortpaare, die fast gleich geschrieben werden, wie „foto“/„Foto“, „kindergarten“/„Kindergarten“ oder „protón“/„Proton“ gelten nicht. Nur Wörter, die in in beiden Sprachen völlig gleich lauten.

Be Sociable, Share!
Posted in Dies und das, Sprachen | Tagged , , | 12 Comments

Fast 15 Jahre hier und noch immer baff

Ich lebe nun schon fast 15 Jahre in Spanien. Da sollte man eigentlich annehmen, dass ich bereits alles gesehen habe und mich nichts mehr überrascht. Weit gefehlt! Und ehrlich gesagt bin ich froh darüber, denn – wie ich gerne wiederhole – bewahre ich mir gerne meine Fähigkeit zu staunen, gerade als Deutscher in Spanien. Ohne diese Fähigkeit wäre ich ja auch kein Alemol mehr, oder?

Heute möchte ich drei spanische Gewohnheiten ansprechen, die mich noch immer erstaunen, weil sie sich so sehr von meiner Ausgangskultur unterscheiden. Die erste ist ein Laut, den viele von euch Spanier benutzen, um jemanden auf euch aufmerksam zu machen, vor allem auf offener Straße. Dieser Ruf ist so sehr im Alltag verankert, dass er im Spanischen sogar ein eigenes, sehr lautmalerisches Verb besitzt: „chistar“. Ich gewöhne mich einfach nicht daran, dieses „chist“ auf der Straße zu hören, denn für mich klingt es so, als soll jemand mit einer Art „pssst“ zum Schweigen gebracht werden. Bemerkenswert ist, dass sich bei diesem Laut meist alle Leute umdrehen, außer der angesprochenen Person. Doch statt zu einer wirksameren Methode zu greifen, lässt der Rufer weiter sein „chist“ erklingen. Klingt witzig, ist aber eher nervig …

Diese Gewohnheit überrascht mich gerade in Anbetracht einer weiteren, die ich bereits in einem anderen Artikel kurz angesprochen habe: In Spanien überwinden viele Menschen jeder Art von Kommunikationsschwierigkeiten mit einer ganz besonderen Methode: Schreien. Du willst mit jemandem sprechen, der mehr als zehn Meter entfernt ist? Schrei! Du willst mit jemandem telefonieren, doch die Verbindung ist mies. Schrei! Du willst einem Ausländer etwas mitteilen, der dich nicht versteht? Schrei ihn an! Du willst dich in einem lauten Lokal mit jemandem unterhalten? SCHREI LAUTER als die anderen! Offenbar gibt es nichts, was man nicht mit ein paar zusätzlichen Dezibel bewerkstelligen könnte. Nicht umsonst steht Spanien im Ruf, das zweitlauteste Land der Welt zu sein (nach Japan) …

Ist das vielleicht auch der Grund für eine weitere spanische Gepflogenheit, die sich ebenfalls ziemlich von der deutschen Kultur unterscheidet? Ich meine den Applaus, mit dem man hier Tote verabschiedet. Ich war gerade erst in Spanien angekommen, als die ETA ein Attentat verübte. Bei der anschließenden Gedenkfeier fingen die Gäste nach einer Schweigeminute plötzlich an zu klatschen. Ich war wie versteinert und konnte es nicht fassen: Waren es etwa ETA-Anhänger? Klatschten Sie Beifall für den gewaltsamen Tod der Opfer? Später erfuhr ich, dass Spanier so ihrer Verstorbenen gedenken, insbesondere wenn sie eines nicht natürlichen Todes gestorben sind. Allerdings hat mir der Fall des kürzlich verstorbenen ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Adolfo Suárez gezeigt, dass die Menschen ihre Trauer manchmal auch mit einer Mischung der Gewohnheiten eins und drei zum Ausdruck bringen: mit Schreien (in diesem Fall „presidente, presidente“) und Applaus … und sogar mit Hochrufen! Na ja, „hurra“ hört man nicht, aber „bravo“ und „viva“ klingen für mich genauso komisch. Das war auch die Geräuschkulisse bei der Beerdigung von Stargitarrist Paco de Lucía:

Wie gesagt, nach all den Jahren müsste ich eigentlich daran gewöhnt sein, aber mich erstaunt noch immer dieser Hang zur Lautstärke in Situationen, in denen wir Deutschen eher leise sind.

Be Sociable, Share!
Posted in Dies und das, Sprachen | Tagged , | 8 Comments

Spa-nekdoten, frische Spa-nekdoten

Vor einigen Tagen „drohte“ ich Elisabet von „Crónicas Germánicas“ wegen ihres lustigen Artikels „Alemanadas, tiernas alemanadas“ mit Revanche, und heute mache ich diese Drohung wahr: mit einem ähnlichen Post über „españoladas“, sprich: Span(ien)-(A)nekdoten. Genauer gesagt geht es um fünf recht alltägliche Situationen mit (meinen) Kindern, in denen die Spanier mich immer wieder verdutzen – im Guten wie im Schlechten!

1. Überfall auf offener Straße
Wenn ich mit meinem Kindern unterwegs bin, werden wir fast täglich Opfer von älteren Damen (Einzeltäterinnen oder Gangs), die nicht davor zurückschrecken, mir den Weg zu versperren, um meine Zwillinge aus nächster Nähe zu sehen oder gar zu befummeln. Wenn eine fremde Person meine Kinder einfach so anfasst (ohne vorher zu fragen), dann stört mich das gewaltig. Allerdings handelt es sich um Omas, und wir alle wissen, wozu sie fähig sind …

2. Haufenweise Bemerkungen
Bei vielen solcher Oma-Überfälle hagelt es Kniffe in die Wangen und Küsse, aber auch Bemerkungen, mit denen sich selbst einige Opas nicht zurückhalten. Sie alle lieben es, ungefragt ihre Meinung kundzutun und geben scharfsinnige Hinweise zum Besten, wie „das sind ja zwei!“, “die sind ja blond und blauäugig!“, „die sehen ja gleich aus!“ oder „das sind doch zwei Jungen, oder?“, worauf ich meist mit einem knappen „Ja“ antworte oder korrigiere „nein, der Junge mit den Pferdeschwänzen und der rosafarbenen Jacke ist ein Mädchen“. Als Rechtfertigung für ihren Fehler folgt oft der Hinweis auf …

3. Der merkwürdige Fall des Mädchens ohne Ohrringe
Genau, in Spanien kommen Mädchen mit Ohrringen zur Welt. Und wenn sie wegen eines genetischen Fehlers ohne Ohrringe geboren werden, kann man sie sie ihnen schon im Krankenhaus kurz nach der Geburt stechen lassen. Meine Frau und ich sind der Meinung, dass sich unsere Kinder noch früh genug Löcher in irgendwelche Körperteile stechen lassen werden, und haben deshalb beschlossen, die Sache mit den Piercings, Tattoos, usw. noch eine Weile aufzuschieben. Ist aber schon irgendwie gemein von uns, die Menschen in Spanien mit einer ohrringlosen Tochter zu verwirren …

4. Noch mehr Bemerkungen, diesmal eine Spur deftiger
Mit Kindern wird man zur Zielscheibe für Kommentare jeder Art, denn die Sprösslinge scheinen fremde Menschen geradezu einzuladen, sich einzumischen … in was auch immer!
Drei Beispiele: Einmal stand ich mit meinen Kindern auf der Post in einer langen Schlange, als die beiden ungeduldig wurden und anfingen zu weinen. Da meinte doch tatsächlich eine Frau zu mir, ich solle doch schnell mit ihnen nach Hause gehen und ihnen etwas zu essen geben. Ich muss wohl wie der schlimmste Rabenvater der Welt gewirkt haben …
Neben den bereits genannten Bemerkungen hören wir auch oft „Wow, ein Pärchen!“ (Mädchen + Junge), gefolgt von typisch spanischen Kommentaren, die – dessen bin ich mir sicher – kein Deutscher machen würde: „na, dann habt ihr ja eure Pflicht erfüllt“, „dann habt ihr ja jetzt genug“ oder erstklassigen Blödsinn wie „dann hat dein Schniedel ja jetzt ausgedient“. Anfangs war ich zu verblüfft, um darauf zu antworten, aber mit der Zeit habe ich mir ein paar Antworten zurechtgelegt: „nein, wir wollen schon eine Fußballmannschaft zusammenbekommen“ oder „nein, ich benutze meinen Schniedel nicht nur zum Fortpflanzen“.
Das jüngste Highlight war eine unbekannte Frau, die meinte, meine Kinder seien „so süß, dass sie sie am liebsten mitnehmen würde“. Tja, Eltern lieben solche Kommentare … nicht!

5. Deutsche Zeiten
Ich gebe zu, meine Kids schlafen viel und sind keine Nachtschwärmer. Nach dem Kindergarten und dem Spielplatz sind sie abends so hundemüde, dass sie auch schon mal beim Abendessen einschlafen (oder auf dem Abendessen, wie diese Zwillinge). Na ja, für viele Spanier ist es wohl eher eine Vesper, denn die Zwillinge essen und gehen vor acht Uhr ins Bett. Das wird in unserem Umfeld reichlich kommentiert, denn viele meinen, wir hätten für unsere Kinder absichtlich deutsche Zeiten eingeführt. Die Wahrheit ist sehr viel einfacher: Wir lassen sie schlafen, wann und so lange sie wollen.
(Mittlerweile habe ich gemerkt, dass die meisten Reaktionen auf diese für Spanien ungewohnte Essens- und Schlafenszeit eigentlich aus Neid entstehen, da meine Frau und ich wirklich ruhige Abende/Nächte genießen …)

Be Sociable, Share!
Posted in Dies und das, Kinder | Tagged , | 41 Comments