Der Soundtrack des Dolmetschers

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Erinnert ihr euch noch an den Soundtrack des selbstständigen Übersetzers, der auch als Spotify-Liste verfügbar ist? Heute gibt es endlich das Pendant für Dolmetscher. Viele Menschen denken noch immer, Übersetzen und Dolmetschen sei quasi das Gleiche. Ihnen sei zur Erinnerung gesagt, dass Übersetzer geschriebene Sprache übersetzen, und Dolmetscher mündliche Sprachäußerungen. Also wird alles gedolmetscht, was Unwritten ist. Das gilt natürlich auch für die Gebärdensprache, die auf speziell ausgebildete Gebärdensprachendolmetscher zählt. Put your hands up in the air reicht nämlich beileibe nicht aus, um eine Botschaft an Gehörlose zu vermitteln.

Auch das Dolmetschen für Hörende ist eine höchst anspruchsvolle Tätigkeit. Die Grundregeln lassen sich zusammenfassen mit Tell it like it is und Talk that talk. Dabei muss und kann man natürlich nicht Wort für Wort vorgehen, denn beim Dolmetschen geht es um More than words. Die Grundlage jeder (gedolmetschten) Kommunikation ist nun einmal A message, und die darf man nicht beschönigen – man muss sie wie gehört in die Zielsprache übertragen. Selbst Flüche und Beschimpfungen dürfen also keineswegs zensiert werden, auch wenn es unserer guten Kinderstube widerspricht.

Doch der Reihe nach: Anders als Übersetzer müssen Dolmetscher auf ihr Erscheinungsbild achten, da sie quasi „unter die Leute kommen“. Je nach Anlass lautet also das Motto Put on your sunday clothes, um Dressed for success zu sein. Zwar muss man als Dolmetscher nicht unbedingt zu The beautiful people zählen, aber ein gepflegtes Aussehen ist wichtig, um die Kunden nicht zu verschrecken.

Da beim Dolmetschen unweigerlich der Talk talk im Vordergrund steht, haben es Menschen mit Sprachfehlern schwer, diesen Beruf auszuüben. Ein Scatman ist in der Branche also selten zu finden, und auch wer dazu neigt, Tongue-tied zu sein, sollte vielleicht lieber als Übersetzer arbeiten.

Der Vorteil beim Verhandlungs- und Konsekutivdolmetschen ist der direkte Kontakt mit den Gesprächspartnern, sodass man besser ihnen interagieren und sie bei allzu schnellem Redefluss notfalls bitten kann: Slow down. Idealerweise sollte man sich bei längeren, komplizierten Gesprächen Notizen machen, denn fällt man jemandem ins Wort, wird man unter Umständen zurechtgewiesen: „Don’t stop me now!“

Simultandolmetscher wiederum sitzen meist in Kabinen fernab der Redner und verwenden eine Art Heart-shaped box mit Kopfhörer und Mikrofon, um über Übertragungseinrichtungen für eine größere Gruppe von Zuhörern zu dolmetschen. Das zeitgleiche Zuhören, Übersetzen und Sprechen erfordert viel Erfahrung, Geschick und ein ruhiges Umfeld, denn andernfalls ist es Hard to concentrate. Gut, dass üblicherweise pro Kabine mindestens zwei Dolmetscher zum Einsatz kommen, denn sie wechseln sich ab, sobald die Konzentration nachlässt, und können einander bei Fragen aushelfen. Daher lautet ein Grundsatz beim Simultandolmetschen auch It takes two. Alte Hasen sind Easy (like a Sunday morning), aber Neulinge neigen zu Nervosität und Cabin fever und beten vor einem neuen Einsatz: Don’t let me be misunderstood. Dann ist es besser, wenn ihnen ein erfahrener Kabinenpartner zur Seite steht und sie mit Tipps wie Relax, Don’t panic oder Don’t try to suicide beruhigt. Auch eine gute Vorbereitung auf das behandelte Thema ist grundlegend um sicherzustellen, dass es mitten im Einsatz No surprises gibt.

Patzer können dennoch vorkommen, denn wenn man 7 seconds oder weniger Zeit hat, das Gehörte in der Zielsprache zu äußern, sind kleine Schnitzer unvermeidlich. Da bleibt einfach keine Time to pretend. Begeht man einen Fehler, darf man sich nicht beirren zu lassen und sollte den Rush of blood to the head zu ignorieren. Wer mit den Gedanken vom Diskurs abschweift, hat schnell einen Blackout, und der ist der Feind jedes Dolmetschers. Der Sound of silence sollte zweifellos nicht zu seinem Soundtrack zählen, und auch der Kunde erwartet für sein Geld alles andere als den Tipp „Enjoy the silence“.

Eine Variante des Simultandolmetschens ist das sogenannte Flüsterdolmetschen, das auch als „Chuchotage“ bezeichnet wird. Dabei wird wegen einer geringen Personenzahl auf die Kabine verzichtet, und der Dolmetscher sitzt oder steht zwischen den Beteiligten, um ihnen das Gesagte direkt ins Ohr zu flüstern. Dennoch ist es kein Careless whisper, sondern erfordert ebenfalls viel Erfahrung und Konzentration.

Wenn alles glatt läuft, wird der Dolmetscher praktisch zu The invisible man und sorgt dafür, dass sich Menschen unterschiedlichster Kulturen problemlos verstehen. Ein Hoch auf die Dolmetscher, denn von ihrer Arbeit kann man wahrlich behaupten: It’s a kind of magic!

2 KOMMENTARE

  1. Schöner Post, als Dolmetscher sage ich vielen Dank für die freundlichen Worte! Wir sind in der Tat unter Druck (http://www.youtube.com/watch?v=yNxUFa47WlI&feature=related), freuen uns, mittlerweile nicht mehr ängstliche Anfänger (http://www.youtube.com/watch?v=o_cHvtPB2dY&feature=related) zu sein, ohne uns einzubilden, in unserem Kampf gegen die Zeit (http://www.youtube.com/watch?v=b06x7egW6jc&feature=related) Helden (Autsch! EMI zensiert die eigene Musik! Wie kann man nur so blöd sein? Der Teufel soll sie holen!) zu sein, und wir hoffen weiterhin, dass wir niemals in die Verlegenheit kommen, etwas nicht erklären zu können (http://www.youtube.com/watch?v=BMQOlVU-yQU&feature=related). Magic indeed!

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