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Gestern lief im Kino „The Rite – Das Ritual“ an. Ja, richtig, der Film kommt tatsächlich mit einem Doppeltitel in die deutschen Kinos und sieht damit eher nach einer Vokabellektion als nach einem Marketingcoup aus. Auf Spanisch wurde er übrigens direkt übersetzt und lautet „El rito“. Immer wieder staunt man über Sinn und Unsinn der Filmtitel und ihrer Übersetzungen, und tatsächlich schiebt man die Schuld für die merkwürdigen Pendants meist auf die Übersetzer. Fakt ist jedoch, dass die Filmtitel nach Marketingkriterien und Verfügbarkeit gewählt haben, und wir Sprachexperten nur selten ein Mitspracherecht haben. So zielen die Titel von Kinofilmen in erster Linie darauf ab, ein bestimmtes Publikum anzusprechen, die Neugier potenzieller Zuschauer zu wecken und Aufschluss über den Inhalt zu geben. Das klingt leicht, ist es aber nicht immer, denn griffige Titel sind oft schon vergeben und nicht jedes Wortspiel zeugt von Kreativität. Das soll keine Entschuldigung sein – manche Filmtitel sind wirklich grottenschlecht. So wurde eine im Original als „Old Dogs“ bekannte Komödie mit John Travolta und Robin Williams kurzerhand zu „Old Dogs – Daddy oder Deal“ umgestaltet, also einem misslungenen Denglisch-Mischmasch. In Spanien erlitt der Filmtitel trotz kompletter Übersetzung kein besseres Schicksal und lautet „Dos canguros muy maduros“, was ohne Kenntnis des Filminhalts nach einem Paar greiser Beuteltiere klingt.

Wird ein Film uraufgeführt, gibt es verschiedene Vorgehensweisen, um ihn dem Publikum schmackhaft zu machen. Entsprechend den mutmaßlichen Sprachkenntnissen der Zuschauer wird der Titel meist

  1. unverändert beibehalten
  2. beibehalten und ergänzt
  3. komplett/teilweise übersetzt/geändert
  4. durch einen anderen englischen Titel ersetzt (besonders unsinnig!)

Lasst uns einen Blick auf bekannte Beispiele werfen:

1. Titel wird unverändert beibehalten
Toy Story“, „Good bye, Lenin“, „Rocky“, „Pretty Woman“, „Rambo“, „Saw“, „Erin Brockovich“, „Scary Movie“, … Es gibt viele Titel, die entweder als international verständlich gelten, eine eigene Marke begründen oder aber Eigennamen enthalten, die entsprechend unübersetzt bleiben. Manchmal gilt es allerdings, auf Feinheiten zu achten. Im Falle von „Thelma & Louise“ ersetzte man für die spanische Version das &-Zeichen durch „y“ („Thelma y Louise“).

2. Titel wird ergänzt
Der erste Alien-Film trägt auf Deutsch den vollständigen Titel „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, und heißt auf Spanisch „Alien, el octavo pasajero“. Ganz offensichtlich ging man davon aus, dass der Originaltitel „Alien“ einer Erklärung für das jeweilige Zielpublikum bedurfte („alien“ bedeutet ja nicht nur „Außerirdischer“, sondern ist auch eine abwertende Bezeichnung für Ausländer.).
So erging es auch „The prestige“, der auf Deutsch als „Prestige – Die Meister der Magie“ vermarktet wurde, um zu enthüllen, dass er von Zauberern handelt. In Spanien verdeutlicht der Titel „El truco final: el prestigio“ ebenfalls, dass es um (Zauber)Tricks geht.

3. Titel wird übersetzt/geändert
Some like it hot“ ist in Deutschland unter dem treffend übersetzten Titel „Manche mögen’s heiß“ bekannt, und in Spanien unter der völligen Umdeutung „Con faldas y a lo loco“. Der Blockbuster „Lola rennt“ wurde auf Spanisch etwas ausgeschmückt und lautet „Corre, Lola, corre“, vermutlich angelehnt an die englische Übersetzung „Run Lola Run“. „Das Leben der Anderen“ dagegen wurde wortwörtlich mit „La vida de los otros“ unverändert übernommen.
Der Animationsfilm „Monsters, Inc.“ lief in den deutschen Kinos als „Die Monster AG“ und in Spanien als „Monstruos, S.A.“ und ist damit ein Beispiel für gelungene Übersetzungen, bei denen die Gegebenheiten des Ziellandes berücksichtigt wurden, ohne den Originaltitel durch den Marketingwolf zu drehen.
Leider kann man dies von vielen anderen Titel nicht behaupten. Das beste Beispiel ist mein Lieblingsfilm „Groundhog Day“, der in Deutschland als „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und in Spanien als „Atrapado en el tiempo“ lief. Die Filmreihe „Die nackte Kanone“, deren deutscher Titel wortwörtlich dem Original „The Naked Gun“ entspricht, nennt man auf Spanisch dagegen „Agárralo como puedas“, also völlig anders. „Into the Blue“, ein Actionfilm mit vielen Unterwasserszenen, der auf Deutsch unübersetzt blieb, heißt auf Spanisch „Inmersión Letal“, was schon mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Ähnliches gilt für den 1980er-Streifen „Highlander“, der auf Deutsch noch den Zusatz „Es kann nur einen geben“, erhielt, in Spanien aber gleich als „Los inmortales“ auf den Inhalt schließen ließ.
Eine der beliebtesten Sagas, „Star Wars“, wurde mit „Krieg der Sterne“ wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, während sie in Spanien als „Krieg der Galaxien“ („Guerra de la Galaxias“) bekannt ist. Da hat wohl jemand nach den Sternen Galaxien gegriffen …

4. Titel wird durch einen anderen englischen Titel ersetzt (besonders unsinnig!)
Eine etwas seltenere, aber durchaus nicht ungewöhnliche Vorgehensweise ist, einen anderen englischen Titel für die Vermarktung zu wählen, der wenig oder nichts mit dem Original gemein hat. Den Grund dafür kennen wohl nur die jeweiligen Erfinder, denn seht selbst, welche Auswüchse sich hierbei ergeben: „Yeah Yeah Yeah“ ist der „deutsche“ Titel des Beatles-Films „A Hard Day’s Night“, der in Spanien mit „¡Qué noche la de aquel día!“ recht passend übersetzt wurde.
Der bekannte Thriller „Copykill“ mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle heißt im Original eigentlich „Copycat“, war den deutschen Vertreibern aber offenbar nicht blutrünstig genug – wohl aber ihren spanischen Kollegen, die den Titel unverändert ließen.

Damit ihr beim Filmeraten („jugar a las películas“) mit englischsprachigen oder spanischen Freunden nicht den Kürzeren zieht, füge ich euch ein Ranking mit den laut dem American Film Institute zehn besten Filmen in drei Sprachen – Originaltitel samt deutscher und spanischer Übersetzung – bei:

Originaltitel (Englisch) Deutscher Titel Spanischer Titel
Citizen Kane (1941) Citizen Kane Ciudadano Kane
The Godfather (1972) Der Pate El Padrino
Casablanca (1942) Casablanca Casablanca
Raging Bull (1980) Wie ein wilder Stier Toro salvaje
Singin’ In The Rain (1952) Singin’ In The Rain Cantando bajo la lluvia
Gone with the Wind (1939) Vom Winde verweht Lo que el viento se llevó
Lawrence of Arabia (1962) Lawrence von Arabien Lawrence de Arabia
Schindler’s List (1993) Schindlers Liste La lista de Schindler
Vertigo (1958) Vertigo – Aus dem Reich der Toten Vértigo (De entre los muertos)
The Wizard of Oz (1939) Der Zauberer von Oz El Mago de Oz

8 KOMMENTARE

  1. Muy interesante, esta entrada, sobre todo para un traductor audiovisual como yo. Es cierto que esos títulos que nada tienen que ver el original no son producto de la imaginación febril de un traductor delirante, sino de la avida dollars de los distribuidores. Respecto al caso de Atrapado en el tiempo, supongo que se primó resumir en el título el núcleo de la trama (bastante bien, por cierto), frente a dejarlo tal cual, “El día de la marmota”, pues esta es una celebración muy local de Estados Unidos que en España era desconocida hasta que se estrenó la película. Con todo, el pueblo ha hecho justicia y ha demostrado que no habría pasado nada por traducirlo correctamente, porque ha quedado en el acervo popular decir “esto es el día de la marmota” cuando pasas por una temporada tediosa donde todos los días parecen iguales. Ejemplo: Te sale un trabajo de verano en una zona aislada en medio de la montaña y, cuando te preguntan que qué tal, dices: “El paisaje es precioso y hay mucha calma, pero todos los días son el día de la marmota”. (No dices, “me veo atrapado en el tiempo”).
    Traductores 1 – distribuidores 0 😉

  2. Gran post André. Muchas veces las distribuidoras hacen estragos con los títulos de las películas y menos mal que no lo hacen con el título de los discos (antiguamente sí que era práctica habitual), porque sería algo gracioso para el público, pero denigrante para el artista.

    Saludos.

    • Muchas gracias, Víctor. Tienes razón, menos mal que las discográficas no tienen esta práctica y nos ahorran traducciones tipo “40 lengüetazos”, “Vale, ordenador”, “El incidente de los espaguetis” y otros… ¡Saludos y buen finde!

  3. Hab eben auf deinen Blog gelandet und es gefällt mir sehr! Super interessant! Nur zu diesem Post hab ich was zu sagen, und zwar, dass mir der Titel “Dos canguros muy maduros” korrekt scheint… “Hacer de canguro de alguien” benutzen wir oft für “babysittern”, und beide Hauptfiguren passen ja auf 2 Kinder im Film auf…

    😉 Weiter so!

    • Danke für den Kommentar, Mar. Es freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Die Bedeutung des Filmtitels “Dos canguros muy maduros” war mir schon klar, ich wollte ihn mit meiner Fehlinterpretation nur noch mehr veralbern als er sowieso schon klingt … 😉

  4. Me ha gustado esta entrada. Yo siempre defiendo el hecho de que los títulos no los elige el traductor y por lo tanto no tiene ninguna responsabilidad en algunas aberraciones. De todas formas, debo puntualizar que “A Hard Day’s Night” en España se titula “¡Qué Noche la de Aquel Día!”. Saludos

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